Archiv für den Monat: Juli 2013

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Hilft Aspirin gegen Zahnschmerzen?

Aspirin gilt allgemein als Allheilmittel, als gut erforschtes Schmerzmittel und als vorbeugendes Medikament gegen Herzerkrankungen. Viele Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten nehmen das Medikament als lebensrettende Medizin ihr ganzes restliches Leben lang. Die Wunderwaffe Aspirin soll sogar einige Krebsarten verhindern, was nicht ausreichend bewiesen ist. Aspirin enthält den blutverdünnenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), wirkt gefäßerweiternd, verfügt jedoch nur über eine geringe schmerzlindernde Wirkung. Aspirin gegen Zahnschmerzen ist somit völlig ungeeignet und sogar gefährlich.

Aspirin hilft nicht gegen Zahnschmerzen!
Aspirin gilt als freiverkäufliches (rezeptfreies) Medikament als sicher und wird gern gegen leichte Kopfschmerzen und Unwohlsein oder gegen die Begleiterscheinungen von Erkältungskrankheiten eingenommen. Sportler nehmen Aspirin häufig vorbeugend, um Muskelschmerzen zu verhindern.

Die Nebenwirkungen, die durch die dauerhafte Einnahme von Aspirin entstehen können, sind jedoch enorm. Neben Asthma und Nierenschäden sind vor allem Magengeschwüre bekannt, die nicht selten zum Tod durch Verbluten führen können. Denn Aspirin verzögert die Fähigkeit der Blutplättchen, zu verklumpen und führt daher zu einer erhöhten Blutungsneigung. Wer also Aspirin vor allem nach chirurgischen Eingriffen im Mundraum (z.B. nach einer Parodontitisbehandlung oder der Extraktion von Zähnen) gegen Zahnschmerzen einnimmt verhindert sogar eine zügige Heilung. In der Zahlheilkunde wird Aspirin weder vorbeugend noch nachsorgend verwendet. Auch bei allgemeinen Zahnschmerzen wird kein Zahnarzt Aspirin als Schmerzmittel empfehlen, da es nicht „knochengängig“ ist und somit ncht an die Schmerzstelle vordringen kann. Als geeignete Wirkstoffe gegen Zahnschmerzen gelten Ibuprofen oder Paracetamol, die gleichzeitig entzündungshemmende Eigenschaften besitzen. Doch auch diese Medikamente sollten nicht dauerhaft ohne ärztlichen Rat eingenommen werden.

Aspirin – die umstrittene Volksmedizin
Aspirin ist preiswert und leicht herzustellen. Der wirtschaftliche Umsatz an Präparaten mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) steigt jährlich, obwohl Wissenschaftler und vor allem Gastroenterologen vor einem zu sorglosen Umgang mit dem „Volksmedikament“ warnen. Als Schmerzmittel hätte Aspirin ausgedient, da die schmerzlindernde Wirkung zu niedrig sei und die Nebenwirkungen zu hoch wären. Davon ist Dr. med. Friedrich Hagenmüller (Professor für Gastroenterologie in Hamburg) überzeugt. Wissenschaftler aus den Forschungslaboren der herstellenden Pharmakonzerne halten verständlicherweise dagegen. Schließlich sichert das Medikament Aspirin ihre Arbeitsplätze. Aspirin sollte aufgrund seiner Nebenwirkungen, der gerinnungshemmenden Eigenschaften und der daraus resultierenden erhöhten Blutungsneigung der Gefäße von folgenden Personen auf keinen Fall eingenommen werden: Kinder und Schwangere sowie Patienten mit Magen- und Nierenproblemen. Auch vor Zahnbehandlungen und Operationen jeglicher Art ist Aspirin tabu.

Aspirin gegen Zahnschmerzen wirkt ohnehin nicht. Bei Karies, Zahnfleischerkrankungen und Schmerzen an den Zähnen oder im Kiefer hilft nur der Gang zum Zahnarzt. Die Angst vorm Zahnarzt ist unbegründet, denn schmerzarme Behandlungsmethoden, sowie der Erhalt der Zahnsubstanz haben in der modernen Zahnmedizin Vorrang.

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Was hilft gegen trockene Haut in der Schwangerschaft?

Die Haut ist das größte Sinnensorgan des Menschen. Sie bedeckt und schützt den gesamten Körper vor äußeren Einflüssen. Je nach Größe und Körperumfang beträgt die Oberfläche unserer Haut etwa hundertfünfzig bis zweihundertfünfzig Quadratzentimeter. In der Schwangerschaft leistet die Haut Schwerstarbeit. Um dem wachsenden Leben im Mutterleib Platz zu geben, dehnt sich die Haut im Bauchbereich der Frau um ein Vielfaches. Hormonelle Veränderungen beeinflussen die Haut zusätzlich, sie kann spröde und empfindlich werden. Trockene Haut in der Schwangerschaft ist ein Problem vieler werdender Mütter.

Gibt es Wundermittel gegen trockene Haut?
Wird die Haut am Bauch nicht mit genügend Nährstoffen und Feuchtigkeit von Innen und Außen versorgt, kann sie reißen. Unschöne Schwangerschaftsstreifen entstehen. Dabei reißt nicht die gesamte Haut ein, sondern nur das fettreiche Untergewebe, auch Bindegewebe genannt. Die Haut selbst besteht aus drei Schichten: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subkutis). Alle Hautschichten sind miteinander verbunden und unterstützen sich gegenseitig. Wirkt die Oberhaut trocken und schuppig, so fehlen bereits in den unteren Schichten wichtige Nährstoffe und Feuchtigkeit. Gegen trockene Haut in der Schwangerschaft helfen die gleichen Präparate wie außerhalb einer Schwangerschaft. Auf schadstofffreie Produkte ist unbedingt zu achten. Unsere Haut mag keine Experimente. Allgemein gilt: Wer für seinen Hauttyp die richtige Creme oder Lotion gefunden hat, sollte dabei bleiben. Für die Pflege des Schwangerschaftsbauches werden oft spezielle Öle mit Vitamin E empfohlen. Öl macht die Haut geschmeidig und beugt Schwangerschaftsstreifen vor. Hierbei helfen vor allem die massierenden Bewegungen. Das Öl selbst zieht jedoch nicht in die Haut ein und versorgt sie auch nicht mit Feuchtigkeit. Fett- und ölfreie Lotionen auf Wasserbasis sind besser geeignet. Als neues Wundermittel gegen trockene Haut gilt Sheabutter – eine Creme, die aus den Kernen der afrikanischen Karité-Frucht gewonnen wird. Langkettige, ungesättigte Fettsäuren sollen in die Haut einziehen und sie glätten. Ähnlich wirkt Lanolin (Wollwachs).

Keine Schadstoffe, viel Trinken und ausreichend Bewegung
Werdende Mütter sollen viel trinken, ausgewogen und vitaminreich essen und auf schädliche Genussmittel wie Tabak und Alkohol komplett verzichten. Bis zu drei Liter Flüssigkeit täglich sorgen für eine elastische Haut. Mineralwasser und Tee eignen sich am besten. Bewegung an frischer Luft ist ebenfalls wichtig. Sauerstoff sorgt für gute Durchblutung. Sollten herkömmliche Pflegepräparate nicht ausreichend gegen trockene Haut in der Schwangerschaft wirken, so lassen Sie bitte bei einem Dermatologen abklären, ob andere Ursachen für die Hautveränderungen in Frage kommen. Menschen mit krankhaften Hautproblemen wie Dermatitis, Psoriasis oder Akne nehmen oft kortisonhaltige Präparate um die Beschwerden zu lindern, was allerdings extrem trockene Haut verursacht. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt müssen diese Medikamente abgesetzt oder angeglichen werden.

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Hilft warmes Bier gegen Erkältung? Oder ist das nur ein Mythos?

Warmes Bier hilft gegen Erkältungen genauso viel wie warmer Apfelwein – nämlich gar nicht! Außerdem schmeckt warmes Bier einfach scheußlich. Es gibt eine Vielzahl an Hausmittelchen, die bei Erkältungskrankheiten Linderung verschaffen sollen. Einige helfen tatsächlich, manche bewirken gar nichts, andere sind eher schädlich. Warum halten sich solche Mythen dennoch hartnäckig?

Warmes Bier mit Honig – ein altes Hausrezept
Bier enthält Alkohol, nahrhafte Hefe sowie ätherische Bitterstoffe aus Hopfen und Malz. Diese (in geringem Maße enthaltenen) Bitterstoffe gelten ebenso wie Alkohol als antibakteriell und sollen eine Erkältung bekämpfen. Die meisten Erkältungen werden jedoch von Viren verursacht, die auf antibakterielle Substanzen überhaupt nicht reagieren. Dennoch fördert ein warmes Bier mit Honig das Einschlafen. Das liegt jedoch lediglich am Alkohol, der von einem geschwächten Körper intensiver aufgenommen wird. Der Alkohol gelangt durch die Wärme und den Zucker des Honigs schneller ins Blut, wobei der Honig für einen angenehmen Geschmack sorgt. Dieser Effekt wird bei zahlreichen Medikamenten genutzt: Alkohol transportiert die Wirkstoffe schneller an den Ort, an dem sie wirken sollen. Erkältungskrankheiten bekämpft der Körper ohnehin am besten im Ruhezustand. Husten und Schnupfen stören einen erholsamen Schlaf jedoch beträchtlich. Warmes Bier gegen Erkältung hilft also nur beim Einschlafen. Sobald die Nase verstopft ist oder quälender Hustenreiz hinzukommt, wacht der Patient wieder auf und muss nach wirksameren Mitteln greifen.

Selbstheilungskräfte des Körpers aktivieren
Wer trotzdem auf ein warmes Bier gegen Erkältung am Abend schwört, kann das Getränk auch weiterhin zu sich nehmen. Ebenso gut wirken eine heiße Milch mit Honig oder ein Tee mit Rum. Jemand, der unter einer starken Erkältung leidet, hat weniger Appetit, auch weil die geschwollen Schleimhäute in Hals und Rachen das Schlucken erschweren. Ein Bier führt dem Körper demnach wichtige Nährstoffe zu, die das Immunsystem positiv unterstützen. Der gleiche Effekt wird durch eine heiße Hühnerbrühe erreicht. Dennoch sollte das Zusammenwirken von Körper und Geist auf die Selbstheilungskräfte des Körpers nicht unterschätzt werden. Wer fest daran glaubt, dass nur ein warmes Bier gegen Erkältung hilft, weil Großmutter diese Prozedur seit Generationen empfiehlt, wird garantiert Linderung verspüren. Der Alkohol sorgt für wohlige Wärme und fördert das Schwitzen. Alkoholhaltige Medikamente und Hausmittel wie warmes Bier sind keinesfalls für Kinder und Alkoholiker geeignet.

Heilsame Kräuter statt seltsamer Hausmittel
Kräuter erleben eine Renaissance in der Medizin. Heilsame Kräuterauszüge werden immer öfter in rezeptfreien Präparaten angeboten, die jedoch aus arzneimittelrechtlicher Sicht nicht als Medikamente bezeichnet werden dürfen. Informieren Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach Alternativen zu umstrittenen Hausmitteln. Außerdem sollte ein Arzt abklären, ob es sich um eine relativ harmlose Erkältung oder um eine Grippe handelt. Hartnäckige Krankheiten lassen sich nur mit richtiger Medizin und strenger Bettruhe heilen.

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Wie kann man Sodbrennen bekämpfen?

Viele kennen das Problem: brennende Schmerzen hinter dem Brustbein, nicht selten hoch bis zum Hals und Rachen, die teilweise stunden- bis tagelang anhalten. Das leidige Thema, wie man Sodbrennen bekämpfen kann, hat zu allerlei Heilungsansätzen geführt.

Sodbrennen – Ursachen und Symptome
Sodbrennen tritt unter verschiedenen Umständen auf. Nicht selten wird das Sodbrennen durch die Refluxkrankheit ausgelöst. Reflux ist lateinisch für Rückfluss und verweist darauf, dass die Magensäure und Verdautes wieder hoch fließen. Dies hat meist ein brennendes Gefühl in der Brustgegend zu Folge, sowie unangenehmes, saures Aufstoßen und den Geschmack der Säure im Mund. Als Symptom der Refluxkrankheit tritt das Sodbrennen chronisch mindestens einmal wöchentlich auf.

Meist sind die Hauptursachen für Sodbrennen falsche Essens- und Trinkgewohnheiten sowie bestimmte Verhaltensweisen und ein spezifischer Lebensstil. Säure- und fetthaltige Speisen können ebenso sehr Sodbrennen auslösen, wie koffein- und zuckerhaltige Lebensmittel. Häufig wird auch ein Zusammenhang mit erhöhtem Zigarettenkonsum festgestellt. Gewisse seelische Belastungen wie Leistungsdruck, Nervosität und Stress können ebenfalls Sodbrennen hervorrufen. Bei enger, unbequemer Kleidung wird durch die physische Belastung des Magens der Rückfluss ausgelöst, der die unangenehmen Folgen des Sodbrennens verursacht. Auch ein hohes Übergewicht kann zu häufiger auftretendem Sodbrennen führen.

Behandlungsmethoden
Bei akutem Schmerz lässt sich mit einigen Hausmitteln und Medikamenten Abhilfe gegen das unangenehme Unwohlsein schaffen. Weißbrot ist bekannt für seine säurebindende Wirkung und kann im Falle von leichtem Sodbrennen schnell Besserung hervorrufen. Ein warmes Glas Milch beruhigt den Rachen und kann aufgrund seiner pH-Wert-Neutralität die Magensäure etwas verdünnen. Bananen werden als Heilmittel geradezu angepriesen, und das nicht zu Unrecht: die Bananen regen die Schleimproduktion im Magen an und vermindern somit den physischen Kontakt der Magensäure mit der Magenschleimhaut. Wer es mag, kann nach dem Essen vorsorglich etwa eine Stunde lang ein möglichst geschmacksneutrales Kaugummi kauen. Dabei wird der Speichelfluss erhöht und so die Magensäure verdünnt. Das Allheilmittel Ingwer stärkt die Schließmuskel und verhindert so das Austreten der Säure aus dem Magen. Bei starkem Schmerz wird ein Spaziergang empfohlen, der die Verdauung anregt. Ein Mittagsschlaf sollte vermieden werden, da die liegende Position den Rückfluss verstärkt.

Allerdings kann man dem Sodbrennen auch durch einige Gewohnheitsänderungen vorbeugen. Besonders, wer an chronischem Sodbrennen leidet, sollte sich nach den oben aufgelisteten Punkten richten und nach Möglichkeit Alkohol, große Mengen an Kaffee sowie fettige und zuckerhaltige Speisen so gering wie möglich zu sich nehmen.

Sollte es sich um psychisch verursachte Beschwerden handeln, ist ein Gespräch mit einem Psychologen empfehlenswert.

Wenn keine der dargestellten Vorschläge hilft, sollte ein Arzt aufgesucht werden, denn in einem solchen Fall wird das Sodbrennen vermutlich von einer Grunderkrankung ausgelöst.

Übrigens: Mittel gegen Sodbrennen finden Sie natürlich auch bei der VersandApo.de…

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Warum Versandapotheken-Tests nicht aussagekräftig sind – und wie man es besser machen sollte

Seit zehn Jahren sind Versandapotheken in Deutschland offiziell zugelassen und haben sich zwischenzeitlich im Online-Handel sehr erfolgreich etabliert. Grund genug für zahlreiche Verbraucherschützer und Tester, diese immer mal wieder auf den Prüfstand zu stellen. Doch wie aussagekräftig und wertvoll sind solche Tests und Empfehlungen für den Verbraucher?

Im Laufe der Jahre sind die Versandapotheken erwachsen geworden und arbeiten inzwischen recht professionell. Auch die Online-Käufer legen inzwischen andere Maßstäbe an als noch vor einigen Jahren, als das Internet nahezu ausschließlich als Schnäppchen-Markt angesehen wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass Tests und Studien immer noch nach dem gleichen Schema mit denselben Fragen durchgeführt werden, wie zu Beginn des Apotheken-Versandhandels. Als Ergebnis werden immer noch Testsieger ausgewiesen, die sich dann mit einem Siegel schmücken dürfen.

Hauptsächlich beschränkt man sich bei Apotheken-Tests auf Preise und Beratung. Aber ist das heute noch zeitgemäß und ausreichend? Interessieren den Kunden bei Versandapotheken nicht ganz andere Kriterien?

Preisvergleiche sind nur kurzlebige Stichproben

Der wichtigste Punkt bei den Apotheken-Vergleichen ist für die Tester nach wie vor der Preis. Sicherlich auch, weil der scheinbar am objektivsten zu vergleichen und zu bewerten ist. Aber welche Aussagekraft hat der Preisvergleich?

Die meisten Versandapotheken bietet im Netz zwischen 60.000 und 100.000 Artikel an. Der Vergleich eines Warenkorbs mit einem Dutzend Arzneimitteln ist, statistisch gesehen, sicherlich etwas „wackelig“. Man sollte schon eine Größenordnung von 500-1000 der mengenmäßig meistverkauften Präparate für einen aussagekräftigen Vergleich heranziehen oder auch einzelne Sortimente vergleichen. Das wäre für Verbraucher relevanter.

Außerdem muss man berücksichtigen, dass gerade bei Online-Apotheken ein Preisvergleich in kleinem Rahmen wenig aussagekräftig ist, da aufgrund häufiger Preisänderungen ein solcher Preisvergleich nur eine Momentaufnahme sein kann. Schon ein einziger „Super-Aktionspreis“ kann das Ranking auf den Kopf stellen.

Top-Beratung und tiefe Preise – geht das?

Es ist unbestritten, dass auch Versandapotheken kompetent und vollständig beraten müssen. Und wenn man den Tests Glauben schenken darf, ist hier noch Luft nach oben.

Wer aber lange Wartezeiten, unvollständige Antworten oder zu wenig gezielte Nachfragen bemängelt, muss auch eine Wahrheit akzeptieren: „Beratung hat ihren Preis!“

Zahlreiche Preissuchmaschinen und Berichterstatter treiben die Arzneimittelpreise der Versandapotheken seit Jahren in eine Abwärtsspirale. Gerade Verbrauchertests heizen diese Situation noch an, indem sie die billigsten Warenkörbe im Test mit höchsten Prioritäten bewerten. Und bemängeln im Gegenzug deren Service und Reaktionsgeschwindigkeit.

Wer im Handel tätig ist weiß, dass sich Tiefstpreise und Topservice nur schwer unter einen Hut bringen lassen, zumal der Gewinn bei Versandapotheken mit vergleichsweise kleinen Warenkörben und geringen Spannen erwirtschaftet werden muss.

Nicht jede Online-Apotheke kann sich daher erlauben, für den Telefon- oder E-Mail-Dienst eine oder mehrere Apotheker/-innen exklusiv abzustellen, zumal echte pharmazeutische Beratung nur einen geringen Teil des Beratungsaufkommens ausmacht.

Tester sehen dies naturgemäß anders, da sie nur auf die pharmazeutische Beratung und Reaktionszeiten fokussiert sind.

Wäre es nicht sinnvoller, einmal das „Service-Management“ einer Versandapotheke zu untersuchen und neben den sonst üblichen auch z. B. folgende Fragen zu stellen:

  • Können Anrufer themenspezifische Ansprechpartner/Abteilungen auswählen?
  • Wird ein kostenloser Rückruf durch einen kompetenten Ansprechpartner angeboten?
  • Wird bei Email-Anfragen mitgeteilt, dass die Anfrage umgehend bearbeitet wird?
  • Wird vorab ein Online-Formular mit Zusatzfragen nach Erkrankungen, Allergien, Vorerkrankung, Gesundheitsfragen, Medikamenteneinnahme o.ä. angeboten?
  • Wird ein Online-Formular für eine Wechselwirkungsprüfung angeboten?
  • Enthalten die E-Mail-Antworten informative weiterführende Literaturstellen oder Links o. ä.?

Solches und vieles mehr wird bereits von Versandapotheken angeboten und hilft, den Kundenservice und den Informationsfluss zu verbessern. Warum aber werden solche Service-Angebote nicht getestet und bewertet?

Telefon war gestern – heute ist Internet. Und dort handeln schließlich die Versandapotheken. Auch der Verbraucher muss sich umstellen und sich den neuen Gegebenheiten anpassen.

Intelligente Services werden dazu beitragen den Spagat zwischen günstigen Preisen und bestmöglicher Beratung und Information zu bewältigen. Aktive Versandapotheken haben das verstanden und arbeiten aktiv daran.

Dies zu kommunizieren wäre Aufgabe von seriösen Tests – und nicht nur die Negativ-Bewertung „ Bei der Träumer-Apotheke wurde erst nach 20maligem Klingeln das Telefon abgehoben.“

Auch für Versandapotheken gilt Service und Transparenz

Versandapotheken müssen zusätzlich zur pharmazeutischen Betreuung und Beratung auch den allgemeinen Standards des Versandhandels gerecht werden.

Bisher beschränkten sich Apotheken-Tester aber vorwiegend darauf, griffige Punkte wie den Wegfall der Versand- oder Retourenkosten zu bewerten.

Betrachtet man allerdings die Tatsache, dass bei den meisten Versandapotheken ohnehin bereits ab einem Bestellwert zwischen 10.- und 30.- EUR das Porto entfällt, sollte man dies nicht überbewerten.

Außerdem sollten die Tester akzeptieren, dass es aufgrund der geringen Spanne bei Arzneimitteln betriebswirtschaftlich höchst riskant ist, auf Versandkosten zu verzichten, zumal sie zusätzlich noch Tiefstpreise bei Medikamenten fordern. Selbst die meisten großen Mode-Versandhändler liefern nicht versandkostenfrei.

Auch die Retourenbedingungen bei Versandapotheken besonders hervorzuheben ist wenig sinnvoll, da Rücksendungen in der Apotheken-Branche mit ca. 1% verschwindend gering sind. Und dann werden sie im Sinne der Arzneimittelsicherheit und der Kundenzufriedenheit meist ohnehin unbürokratisch erledigt.

Neue Kriterien sind gefragt

Wäre es nicht sinnvoller, Versandapotheken nach Kriterien zu beurteilen, die für den Verbraucher immer wichtiger werden?

Schon bei der Artikelsuche findet man gravierende Unterschiede, um sich in den Angeboten der Shops zurechtzufinden. Von der einfachen Auflistung der Indikationen, über die erweiterte Suche oder Sortierung nach Preisen, Packungsgrößen, Darreichungsformen und Herstellern, bis zur gezielten Auswahl nach „homöopathischen Mittel gegen Erkältung“ wird inzwischen vieles geboten.

Selbst Preisvergleiche von Präparaten unterschiedlicher Hersteller mit identischem Inhalt, oder die interne Suche nach Alternativen zu einem Präparat oder eine Suche nach Inhaltsstoffen wurden inzwischen von einigen Versandapotheken realisiert.

Interessant für den Online-Kunden ist auch die Qualität der Produktbeschreibungen, sowie das Vorhandensein von Warn-, Einnahme- und Unverträglichkeitshinweisen.

Aber auch die allgemeinen Services, Transparenz und Usability eines Shops sollten die Verbraucherschützer und Testberichter genauer unter die Lupe nehmen:

  • Welche Sortimente werden angeboten?
  • Hat sich die Apotheke auf ein Gebiet spezialisiert?
  • Sind die Versandbedingungen und -kosten verständlich?
  • Bietet der Shop eine Sendungsverfolgung?
  • Sind alle Kosten deutlich erkennbar (Rechnungs-, Nachnahme-, Dienstleistergebühren)?
  • Welche Zahlungsmethoden werden angeboten?
  • Werden die Bestellungen auf Wechselwirkungen überprüft und werden auch zurückliegende Einkäufe berücksichtigt?
  • Bietet der Shop einen Blog und werden informative Beiträge geschrieben?
  • Verfügt der Shop über Kundenbewertungen?
  • Welche Daten-Sicherheiten bietet der Shop?
  • Ist der Shop auch mit Mobilgeräten nutzbar?.
  • Verfügt der Shop über einen Live-Chat?

Dies und vieles mehr werden künftig die zusätzlichen Qualitätsmerkmale sein, für die sich die Verbraucher interessieren und an denen sich auch die Versandapotheken werden messen lassen müssen.

Fazit

Versandapotheken-Tests sind sinnvoll und notwendig, solange sie das Verbraucherinteresse widerspiegeln und einen qualifizierten Marktüberblick verschaffen.

Durch die rasante Entwicklung des Apothekenmarktes im Internet und die wachsenden Ansprüche der Verbraucher sind Verbraucherschützer und Tester aber zunehmend gefordert, sich neuen Fragen und Bewertungskriterien zu stellen.

Künftig werden Kunden weit mehr an weiterführenden Informationen, Daten-Sicherheit, Transparenz und Usability interessiert sein, als an Tiefstpreisen und Versandkosten.

Um Versandapotheken aber diesbezüglich qualifiziert zu testen, bedarf es einer neuen Sichtweise der Dinge und eine professionellere Einarbeitung in die Welt der Apotheken.